Dieser Artikel war ein Sonderdruck des Holzentralblattes vom 26.04.1991

Teak lässt sich auch in Brasilien nachhaltig nutzen

Deutsche Furnierfirma beteiligte sich an einem ökologisch beispielhaften Forstbetrieb in den Tropen.

15 Monate alte Teakpflanzung
15 Monate alte Teakpflanzung

Wenn man von Teak spricht, richten sich die in der Regel sorgenvolle Blicke der Gesprächs­partner sogleich auf die fernöstlichen Tropenlän­der Burma und Thailand, da die Beschaffung von Teakholz in Form von Rundholz, Furnieren und Schnittholz in allen Abmessungen immer schwieriger wird. Anders ist die Situation auf der indonesischen Insel Java zu beurteilen, wo schon vor etwa 90 Jahren von holländischen Forstleu­ten mit gutem Erfolg Teak-Plantagen angelegt worden sind, die heute zu einem guten Teil zur Versorgung der Teakverarbeiter in aller Welt bei­tragen.

Wenn man aber in Kreisen der europäischen Tropenholzwirtschaft von Brasilien spricht und den umfangreichen Regenwäldern im Amazo­nasbecken, denkt man an die leider immer noch anhaltenden Zerstörungen der dortigen Regen­wälder durch die Einrichtung von Viehweiden und umweltschädliche industrielle Großprojekte verschiedener Art. Der Export von Holz und Holzerzeugnissen spielt in den Wäldern Amazoniens eine zu geringe wirtschaftliche Rolle, als dass es sich lohnen würde, darüber zu berichten. Man kann auch sagen, die Holzexporte Brasi­liens stehen in überhaupt keinem Verhältnis zu dem Holzvorratspotential in den Amazonaswäl­dern Brasiliens.

Ein Beitrag zum Schutz der Tropenwälder

sauber geästete Teakstämme
sauber geästete Teakstämme

Wenn in Verbindung mit Brasilien sicherlich kaum jemand an Teakholz denkt, so kann doch erfreulicherweise berichtet werden, dass es mög­lich ist, auch in Brasilien Teakplantagen anzule­gen und ökologisch einwandfrei und nachhaltig zu bewirtschaften. Die Rede ist von der deut­schen Firma R. Ulrich & Co., Furnierimporteur in Hamburg, und seit kurzem auch Furnierpro­duzent in den USA, die sich kürzlich mit einer Investition von 600.000 US-Dollar bei einem Forstbetrieb im südamerikanischen Staat Mato Grosso beteiligt hat.

Man will mit diesem Engagement erreichen, dass die Versorgung mit Teakfurnieren für den deutschen Markt langfristig sichergestellt wird. Gleichzeitig soll ein Beitrag zum Schutz der tro­pischen Regenwälder und zudem bewiesen wer­den, dass ebenso wie in Deutschland auch in Bra­silien eine ordnungsgemäße, d. h. nachhaltige Bewirtschaftung tropischer Regenwälder mög­lich ist. Im Übrigen gehört zu den weiteren Inve­storen an der Teakplantage in Brasilien noch eine   staatliche   dänische Entwicklungsgesell­schaft und ein dänischer Importeur von Teak und Teakprodukten.

Die Serraria Ceceres S. A. wurde 1960 in Ceceres im Staat Mato Grosso, am südlichen Ende des brasilianischen Amazonaswaldes gelegen, ge­gründet mit dem Zweck, qualitativ hochwertige Hölzer zu produzieren und in Form von Schnitt­holz und Furnieren zu exportieren. Firmengrün­der Karl Veit stammt aus Sägewerkskreisen des Schwarzwaldes und ist in den 30er Jahren von Freiburg nach Brasilien ausgewandert. Die Lei­tung der Firma liegt heute noch in den Händen seiner beiden Söhne Vitor und Luis.

Zu Beginn der 60er Jahre befasste man sich vorwiegend mit dem Export einheimischer Laub­hölzer, vor allem des echten Mahagoni (Swietenia); damals wurde schon Mahagoni-Rundholz an die Hamburger Firma geliefert. Die Geschäfte zwischen beiden Firmen nahmen einen Auf­schwung, nachdem der brasilianische Partner 1970 ein Furnierwerk in Caceres gebaut hatten und regelmäßig Messerfurniere in den Holzarten Mahagoni, Palisander, Cerejeira, Zedern und an­dere Edelhölzer nach Hamburg lieferte. In den späten 70er Jahren war das Hamburger Unter­nehmen größter Furnierkäufer von Serraria Ca­ceres auf dem europäischen Markt und belieferte von Hamburg aus andere Möbelfurniermärkte wie Skandinavien, Großbritannien, Frankreich, die Schweiz, Italien und andere.

Ab 1960 wurden Handelshölzer in Brasilien knapp

Die Veits erkannten schon zu Beginn der 60er Jahre, dass alle Bäume mit einem Handelswert in den Naturwäldern des Landes immer knapper wurden. Gleichzeitig beobachtete man, dass diese Wälder in einem alarmierenden Ausmaß abge­holt bzw. gerodet wurden, um sie nach ihrer Um­wandlung als Viehweiden oder für andere land­wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Man begann daher ab 1968, sich mit Untersuchungen und Ex­perimenten hinsichtlich der Aufforstung oder Pflanzung bestimmter wertvoller Handelshölzer zu beschäftigen mit dem Ziel, sich eine neue Rohstoffbasis zu schaffen. Nach Prüfung bzw. nach Versuchen mit mehreren Baumarten wurde es offensichtlich, dass das Pflanzen von Teak die besten Ergebnisse zeigte. Besonders beeindruckend war der schnelle Wuchs und die Robustheit der jungen Teakpflanzen. Hinzu kamen noch die guten technischen Eigenschaften des Teakholzes, wie man der Literatur entnehmen konnte und der vergleichsweise hohe Marktwert für Teak­holz.

So entschloss man sich, mit dem systemati­schen Aufbau von Teak zu beginnen. Abgesehen von den eigenen Teak-Kultivierungsversuchen wurden auch Informationen und Erfahrungshin­weise dadurch geschafft, dass man eigene Mitar­beiter in Länder mit natürlichen Teakwäldern und mit Teakplantagen wie Indien, Thailand, In­donesien (Java) und Trinidad (Westindien) rei­sen ließ. Hierbei ging es auch darum, Informatio­nen über die Verarbeitung von Teakholz vor Ort und beim Export zu erhalten.

Bisher 1205 ha Teakplantagen, bewirtschaftet im 25-Jahre-Zyklus

Teakstämme in Furnierqualität
Teakstämme in Furnierqualität

Im Jahr 1971 wurde mit der Anlage der ersten Teakplantage auf einer Fläche von 19 ha begon­nen. In den Jahren 1972 bis 1975 wurden jeweils weitere 19 ha Teak gepflanzt. Danach wurden während der Jahre 1976 bis 1982 die Flächen er­weitert, und zwar auf jeweils 44 ha jährlich. In den sechs Jahren von 1983 bis 1988 erreichten die Plantagen einen Umfang von jeweils 92 ha. Schließlich wurde das Jahr 1989 mit einer Teak-Kulturfläche von 250 ha abgeschlossen. Hieraus ergibt sich bis 1989 eine gesamte Plantagenfläche von 1.205 ha. Bis zum Abschluss des 25-Jahre-Zyklus 1995 sollen jährlich weitere 250 ha mit Teak kultiviert werden, so dass die Teakplantagenfläche dann 2.705 ha groß sein wird.

Nach den Berechnungen des brasilianischen Forstunternehmers, basierend auf den bisherigen Erfahrungen, wird sich bei der Nutzung nach 25 Jahren für die in den Jahren 1971 bis 1972 ge­pflanzten Teakstämme ein Ertrag zwischen 320 bis 330 m3 je ha ergeben. Als Beispiel soll hier die 1971 angelegte Teakplantage von 19 ha genannt werden, die 1966 bei Ablauf des 25jährigen Zy­klus (Hiebsreife) ein Einschlagsvolumen von 6275 m3 ergeben wird (entsprechend 330 m3/ha). Hinzu kommt dann natürlich noch der Holzan­fall aus den Durchforstungen, die im Laufe der 25 Jahre vier Mal durchgeführt werden, und zwar im fünften, neunten, dreizehnten und sieb­zehnten Wuchsjahr.

Diese Ertragsleistungen eines so wertvollen Tropenholzes wie Teak sind einmalig. Sie zeigen, daß es durchaus möglich ist, basierend auf eige­nen Versuchen und unter Beachtung von Erfah­rungen in anderen Ländern eine bestimmte Baumart aus dem tropischen Regenwald zu kulti­vieren und nach forstwirtschaftlichen Gesichts­punkten erfolgreich zu bewirtschaften und zu vermarkten.

Keine umweltschädlichen Monokulturen

Es sei hier auf die besondere ökologische Be­deutung des Anbaues von Teak in Caceres, Mato Grosso (Süd-Brasilien), hingewiesen. Zunächst ist hervorzuheben, daß die Plantagen nicht auf abgeholzten oder gerodeten Waldflächen, wie sonst in den Tropen üblich, angelegt werden. Es ist also nicht so, daß bei diesem Projekt ur­sprüngliche Naturwälder durch Brandrodungen zerstört werden, um danach eine Monokultur mit bestimmten Baumarten anzulegen.

Teak Container, Ankunft im Furnierwerk Prignitz
Teak Container, Ankunft im Furnierwerk Prignitz

Die gesamte Landesfläche, die dem Unterneh­men für sein sogenanntes Protecaprogramm zur Verfügung steht, beläuft sich auf insgesamt 12.591 ha und ist wie folgt eingeteilt worden:

  1. Die Flächen für die Teak-Plantagenwirtschaft im Zyklus von 25 Jahren mit jeweils 250 ha je Jahr insgesamt:6.250 ha
  2. Flächen, bestimmt für Feuerstreifen und Zufahrtwege: 750 ha
  3. Flächen, reserviert für ländliche Gebäude, Gemüsegärten, Obstgärten, für die Nahrungsmittelproduktion und für Viehweiden: 361 ha
  4. Flächen, reserviert für den Schutz der natürli­chen Umwelt, denn nach einem brasilianischen Gesetz soll mindestens 20% der Landflächen in Brasilien in ihrem ursprünglichen Zustand bleiben: 3.625 ha
  5. Verbleibende Flächen, die für technische Zwecke usw. reserviert sind: 1.605 ha

Totale Landfläche der Region mithin: 12.591 ha.

In Übereinstimmung mit dem brasilianischen Landgesetz wird mit forstwirtschaftlichen Kul­turmaßnahmen, wie sie der Teakplantagenbau darstellt, die vom Gesetzgeber verlangte Bedin­gung erfüllt, dass das geschaffene Eigentum auf Dauer wirtschaftlich genutzt werden muss. Die unter Naturschutz stehenden Flächen mit ihrer ursprünglichen Vegetation werden vom Staat da­durch begünstigt, dass hierfür keine Steuern zu zahlen sind.

Abgesehen von ihren forstwirtschaftlichen Ak­tivitäten beim Anbau von Teak befasst sich der genannte Forstunternehmer auch mit der For­schung und mit Anbauversuchen von schnellwachsenden Baumarten, wobei an eine künftige Produktion von Sperrholz gedacht wird, sowie mit ölfrüchtetragenden Bäumen im Hinblick auf eine künftige Produktion pflanzlicher Öle für die menschliche Ernährung. Die unter 5. genannten Landüberschußflächen für technische Zwecke von rund 1 600 ha sollen teilweise für die vorge­nannten Zwecke oder auch für weitere Teakkulturen verwendet werden.

Teak Messerfurniere von guter Qualität

Teakstämme für die Furnierproduktion
Teakstämme für die Furnierproduktion

Der Plantagenbetreiber, der seit 1970 ein eige­nes Furnierwerk betreibt, hat inzwischen bereits die ersten Teak-Messerfurniere hergestellt und exportiert. Aufgrund des guten Bodens und der

speziellen Bestandspflege bei Durchführung re­gelmäßiger Durchforstungen und Ästungen der heranwachsenden Bäume sind die Teakfurniere aus dem brasilianischen Mato Grosso von guter Qualität und Beschaffenheit. Das dortige Teak­holz zeichnet sich durch eine goldgelbe Farbtö­nung aus sowie durch einen gleichmäßigen Auf­bau. Darüber hinaus gibt es zwei verschiedene Furniertypen, das sind einmal Furniere mit schwarzen Streifen und solche ohne Streifen. Im Übrigen ist der größere Teil der anfallenden Fur­niere für Fronten im Möbelbau gut geeignet.

Bei der Auswahl furnierfähiger Stämme, die einen großen Anteil der Stammholzproduktion darstellen, kann man insofern streng und kritisch vorgehen, weil man für die geringeren Rundholz­qualitäten einen laufenden Bedarf im eigenen Sägewerk für die Herstellung von Schnittholz in größeren und kleineren Dimensionen hat. Das Vorhandensein eines Furnierwerks und eines Sä­gewerks ermöglicht eine optimale Ausnutzung der geernteten Stämme, sei es aus Durchforstun­gen, sei es aus der Endnutzung nach Ablauf von 25 Jahren.

Abschließend kann festgestellt werden, dass der Hamburger Furnierimporteur sicherlich gut beraten war, sich an einem tropischen Forstunternehmen mit einer beachtlichen Investition zu beteiligen. Dank dieses finanziellen Engagements ist es dem brasilianischen Forstbetrieb, der seinesgleichen in den tropischen Ländern der Welt sucht, möglich, jährlich eine Fläche von 250 ha mit Teak in ökologisch einwandfreier Weise zu kultivieren. In Anbetracht der zumeist einseitig und unsachlich geführten öffentlichen Diskussion um die tropischen Regenwälder wäre es zu wünschen, wenn das geschilderte Beispiel auch in anderen Ländern und mit anderen Baumarten Schule machen würde. Denn Teak, aus dem Mato Grosso, ist ein Schulbeispiel für eine umweltgerechte Holzproduktion in den Tropen.

Dr. Rudolf Beyse

Furniere aus brasilianischen Plantagenteak
Furniere aus brasilianischen Plantagenteak
schlichte goldgelbe Bootsbauqualität
schlichte goldgelbe Bootsbauqualität